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Die Lebenspraktikanten 4:
Ausbeute
Autor(en): Nikola Richter
Produktion: SWR/DLR 2006
Bearbeitung Literatur
Regie: Judith Lorentz
Bearbeitung: Katrin Zipse
Inhaltsangabe: Viktor sortiert seine Unterlagen. Er will sich beim Arbeitsamt arbeitslos, also arbeitssuchend melden. "Der Staat muss bluten", sagt er, "wenn er es nicht schafft, mich unterzubringen". Dafür muss Viktor zunächst ein Formular auf dem Server der Agentur ausfüllen. Es lässt sich nicht auf der Startseite finden, dort, wo jeder es vermuten würde, sondern in Unterrubriken, und lässt sich über die Suchfunktion nicht hervorlocken. Als Viktor endlich das Dokument gefunden und geöffnet hat, liest er, dass er alle seine Besitzstände offen legen muss. Auch Linn wird unter Besitzständen verbucht: Weil er nämlich mit ihr zusammenwohnt, muss sie wahrscheinlich für seinen Lebensunterhalt aufkommen. Das ist wahre Solidarität, findet Viktor. Problematisch ist nur, dass Linn nicht gefragt wird, ob sie ihr Geld mit ihm teilen möchte, und dass sie selbst auch kein regelmäßiges Einkommen hat. Soll Viktor also lügen?
Mit:
Milan Peschel, Rosalie Thomass, Katharina Vötter, Kathrin Wehlisch, Maximilian von Pufendorf
Laufzeit: 27 Minuten
Sendetermine: DLR - Montag, 12. März 2007, 00:05 Uhr
Die Lebenspraktikanten 5:
Erster Job
Autor(en): Nikola Richter
Produktion: SWR/DLR 2006
Bearbeitung Literatur
Regie: Judith Lorentz
Bearbeitung: Katrin Zipse
Inhaltsangabe: Giulia hat Erfolg. Sie wird Arbeitnehmerin mit einem festem Einkommen für die nächsten zwei Jahre - eine Sicherheit wie eine Ewigkeit, ein Tagesablauf wie aus dem letzten Jahrhundert, eine seltsam ungewohnte Situation. Jetzt ist sie abends oft so kaputt, dass sie um 23.00 Uhr vor dem Fernseher einschläft. Sogar am Freitagabend! Frevel! Jetzt hat sie Geld, nur fehlt jemand, mit dem sie es zusammen ausgeben könnte. Das würde viel mehr Spaß machen. Nils hat da eine ganz eigene Theorie: "Es ist viel einfacher, einen Partner als einen Job zu finden. Also beschwer dich nicht. Guck mal in die Zeitung." - "Ich kann doch nicht immer alles alleine machen", sagt Giulia, und wirft enttäuscht eine Doppelpackung Erfrischungsstäbchen gegen die Wand.
Mit:
Milan Peschel, Rosalie Thomass, Katharina Vötter, Kathrin Wehlisch, Maximilian von Pufendorf
Laufzeit: 24 Minuten
Sendetermine: DLR - Montag, 12. März 2007, 00:25 Uhr
Das Leben ist viel zu kurz, um offene Weine zu trinken
Autor(en): Guy Krneta (Schweiz 1964)
Produktion: DRS 2007
Regie: Geri Dillier
Komposition: Jürg Kienberger
Sprache: Dialekt
Inhaltsangabe: Louis Wilhelm ist Drogist, Witwer und SVP-Gemeinderat in Hindelbank. In einem Restaurant in Bern wartet er auf seinen Zug und merkt, dass ihm sein Portemonnaie geklaut wurde. Ein Gast hilft ihm aus der Patsche: Geri Moos, KMU-Berater, abgewählter SP-Nationalrat von Zug. Man kommt ins Gespräch, trinkt ein zweites, ein drittes Bier, kommt sich näher, Louis verpasst den letzten Zug und strandet mit seinem Saufkumpan Geri gegen Morgen in einem Nachtlokal.
Guy Krneta gelingt in diesem subtilen Kammerspiel eine gewitzte Annäherung zweier unterschiedlicher Männer. Ueli Jäggi als Louis und Martin Hug als Geri treffen präzis die sprachlichen Zwischentöne, welche das Abgründige, Einsame dieser zwei Männer spürbar machen. Jürg Kienbergers Musik unterlegt dem Spiel eine augenzwinkernde Melancholie.
Mit:
Louis: Ueli Jäggi
Geri: Martin Hug
Barkeeper: Marco Morelli
Laufzeit: 48 Minuten
Sendetermine: DRS 1 - Montag, 12. März 2007, 14:00 Uhr (Ursendung)
Utrangscheert
Autor(en): Hans Peter Beyenburg (BRD 1951) / Werner Drossard (BRD 1948)
Produktion: RB/NDR 1989
Regie: Jochen Schütt
Sprache: Dialekt
Inhaltsangabe: Ein junger Mann sitzt in seinem Appartement und hadert mit sich und der Welt. Er fühlt sich ausgenutzt und unverstanden. Während er eine Bierflasche nach der anderen öffnet, mischt sich Selbstreflexion zunehmend mit Selbstmitleid. Dennoch dämmert ihm allmählich die Einsicht, dass sein permanentes Bestreben, es allen Menschen recht zu machen, ihn in eine Sackgasse geführt hat. Die Erinnerung an seine Freundin, die vor genau einem Jahr einem Verkehrsunfall zum Opfer fiel, lässt ihn immer drängender fragen, wie es zu diesem Unfall hat kommen können. Bis ihn schließlich die Erkenntnis wie ein Blitz trifft.
Mit:
Tom: Jasper Vogt
Achim: Peter Kaempfe
Mutter: Ruth Bunkenburg
Ann: Martina Rüggebrecht
Günter: Frank Grupe
Silvia: Sylvia Wempner
Fahrer: Harald Halgardt
Betty: Marita Heuer
Vater: Klaus Nowicki
Frau Kühn: Elsbeth Kwintmeyer
Laufzeit: 49 Minuten
Sendetermine: NDR 1 NS - Montag, 12. März 2007, 20:05 Uhr
Die Ästhetik des Widerstands
Autor(en): Peter Weiss (BRD 1916 - 1982)
Produktion: BR/WDR 2007
Bearbeitung Literatur
Regie: Karl Bruckmaier
Bearbeitung: Karl Bruckmaier
Komposition: David Grubbs
9. Teil: Die Mutter
Inhaltsangabe: 'Die Ästhetik des Widerstands', das in den Jahren von 1971 bis 1981 entstandene erzählerische Hauptwerk des Schriftstellers Peter Weiss, gehört zu den wichtigsten deutschsprachigen Romanen der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Im Zentrum des fast eintausend Seiten umfassenden Triptychons, das die Geschichte des Scheiterns sozialistischer Ideale und Kämpfe und das Ausgeliefertsein des Individuums in totalitären Zeiten abbildet, steht die Person eines fiktiven deutschen Widerstandskämpfers. Dieser Ich-Erzähler verlässt als Jugendlicher 1937 Berlin und gelangt über die Tschechoslowakei, Spanien und Paris nach Schweden. Da wie dort wird er Zeuge der Widerstandskämpfe gegen Nazideutschland und der Machtkämpfe innerhalb der Kommunistischen Partei. "Wer ist dieses Ich? Ich selbst bin es."
Der namenlose Protagonist ist in vielen Details dem Autor nachgebildet. Er gibt Peter Weiss Gelegenheit, durch seine literarische Trauer- und Erinnerungsarbeit eine sprachmächtige Aufarbeitung eines historisch entscheidenden Jahrzehnts in der Auseinandersetzung der Ideologien zu liefern. Am Ende steht der Fall des Faschismus, gleichzeitig entwerten sich aber auch die Utopien der europäischen Linken im sowjetischen Personenkult und in der weltanschaulichen Zerrissenheit der Arbeiterparteien. Darüber hinaus arbeitet sich Weiss auch an der für ihn persönlich relevanten Hauptfrage ab, inwieweit politische Notwendigkeit und individuelle Erkenntnis über ästhetische Zusammenhänge miteinander zur Deckung gebracht werden können - auch hier gelingt dem Autor eine bittere Synthese aus Kunsttheorie und Realitätsanspruch: Der Ich-Erzähler und seine Gefährten entwickeln nicht nur über politische Erörterungen und Einschätzungen, sondern ebenso über Lektüren und gemeinsame Kunstbetrachtung eine Art kollektive Weltsicht. Durch die Reflektion seines politischen Tuns wie durch die Deutung großer Kunstwerke erfindet sich der Erzähler im Roman eine eigene Position als geistiger Arbeiter, als freier Schriftsteller, der sich aber aus ebenso freien Stücken der Disziplin einer Kaderpartei unterwirft: "Für den Ruf nach totaler Zertrümmerung der Kunst hatten wir nichts übrig, solche Parolen konnten sich diejenigen leisten, die übersättigt waren von Bildung."
Zu seinem Romanprojekt betrieb Peter Weiss intensive historische Recherchen, um dem entstehenden Werk "breiteste Realität zu geben". Neben der Hauptperson begegnet der Leser Figuren wie Willi Münzenberg oder Herbert Wehner und den Mitgliedern der Widerstandsorganisation um Harro Schulze-Boysen (`Rote Kapelle'). "Ich benutzte die authentischen Namen im Roman als Chiffren", notierte Peter Weiss dazu. Eine dieser Chiffren ist Bert Brecht. Auf ihn und seine Mitarbeiter stößt der Ich-Erzähler im schwedischen Exil. Weiss beschreibt manchmal bis ins quälende Detail alles über die Antagonismen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten in Deutschland, Spanien, Schweden und im französischen Exil, denen groß angelegte Ausdeutungen von Gemälden (Picassos 'Guernica') und Romanen (Kafkas 'Das Schloss') gegenüberstehen. In den grob zehn Jahren (1937 bis 1947), die der Roman umfasst, bekämpften zwei totalitäre Systeme - Faschismus und Kommunismus - sich selbst und die Menschheit aufs grimmigste und rücksichtsloseste. Im Namen einer pervertierten Vernunft und Wissenschaftlichkeit wurde mehr gemordet als je in der Geschichte zuvor im Namen einer Religion oder metaphysischen Idee - und dies aus dem Herzen des zivilisierten Europa heraus.
Gut fünfundzwanzig Jahre nach dem Tod von Peter Weiss, gut fünfzehn Jahre nach dem Zerfall des kommunistisch regierten Ostblocks liest man "Wehrt Euch"-Parolen auf den Straßen Berlins und im Osten Deutschlands, diesmal auf den Plakaten der politischen Erben der Nazi-Ideologie - und nicht als illegal hinterlassenes Signum des Widerstands gegen das NS-Regime wie im Roman 'Die Ästhetik des Widerstands'. Zu keinem besseren Zeitpunkt könnte man erinnern an einen der noch vor nicht allzu langer Zeit meistgespielten und meistgelesenen Nachkriegsautoren Deutschlands, an Peter Weiss und seine 'Ästhetik des Widerstands', die nun in einer fast zwölfstündigen Hörspielfassung, erarbeitet und realisiert von Karl Bruckmaier, vorliegt - immer noch monströs, immer noch schwierig, immer noch besessen vom Wunsch, auf der Basis von Vernunft und Verstehen eine bessere Welt zu errichten, ohne deshalb die Menschlichkeit abzuschaffen. Und doch auch anders als der Roman: das Hörspiel ist sich der Widersprüche des Textes durch den zeitlichen Abstand und die historischen Ereignisse stärker bewusst, ebenso der Zerrissenheit des Autors, seines Leidens, seines tatsächlich stellvertretenden und existentiellen Leidens bis hin zum Tod. In der zwangsläufig radikal komprimierten Hör-Fassung wird die Ästhetik auch verstehbarer, zugänglicher durch die Stimmen von Peter Fricke, Robert Stadlober, Rüdiger Vogler, Susanne-Marie Wrage, Hanns Zischler.
Mit:
Robert Stadlober, Peter Fricke, Rüdiger Vogler, Michael Tregor, Helga Fellerer, Ulrich Frank, Paul Herwig, Helmut Stange, Christian Friedel, Stephan Zinner, Katharina Schubert, Sabine Kastius, Susanne-Marie Wrage, Hanns Zischler, Jochen Striebeck, Wolfgang Hinze, Jule Ronstedt
Gesamtlaufzeit: ~ 660 Minuten
Sendetermine: BR 2 - Montag, 12. März 2007, 20:30 Uhr - Teil 9 von 12 (Ursendung)
Schreckmümpfeli:
Lokaltermin
Autor(en): Heidi Knetsch (BRD 1947) / Stefan Richwien (BRD 1947)
Produktion: DRS 2007
Regie: Isabel Schaerer
Inhaltsangabe: Kinderfreundliche Liegenschaft an traumhafter Lage gesucht.
Mit:
Jodoc Seidel, Christian Heller, Lena Streiff
Sendetermine: DRS 1 - Montag, 12. März 2007, 23:00 Uhr (Ursendung)
Windows oder Müssen wir uns Bill Gates als einen glücklichen Menschen vorstellen
Autor(en): Mathias Greffrath (BRD 1945)
Produktion: BR 2005
Bearbeitung Theater
Regie: Bernadette Sonnenbichler
Komposition: Martina Eisenreich
Inhaltsangabe: Bill Gates, amerikanischer Programmierer und Unternehmer, steht im Mittelpunkt des Hörspielmonologs. Der Erfinder und Begründer von Microsoft verwirklichte für sich den "american dream" und stellt so ein faszinierendes, aber auch irritierendes und beunruhigendes Phänomen unseres kapitalistischen Zeitalters dar. In Verwertung einiger biographischer Fakten wagt ein Schauspieler einen fiktiven Blick in das prozessorenhafte Denken eines Weltenschöpfers. Als könnte sich der Hörer in verschiedene Äste und Gabelungen dieser unüberschaubaren Matrix klicken, wird weniger die Person des Microsoft-Erfinders, sondern vielmehr das Gesamtphänomen Gates beleuchtet. Auf verschiedenen Ebenen öffnen und schließen sich temporeich Fenster, Hör-Räume, zu zahlreichen Gedankenräumen. Ein überzeugter Tüftler reflektiert Geschäftliches, Privates, Erinnerungen, Begegnungen, Ereignisse und Gespräche, die Bandbreite reicht von wissenschaftlich-anthroposophischen Erörterungen zu Gedanken über unumstößliche Vorstellungen von Gewinn und Verlust, über selbst auferlegte Härte und firmeninterne Unerbittlichkeit.
"Ein korrekt geschriebenes Programm tut immer und zu jeder Zeit alles, was Du ihm sagst. Ganz genau und hundertprozentig. Und wenn Du einen Fehler machst, merkt die das sofort. Die Maschine. Und zeigt es Dir. Nur Dir. Du baust was hin. Und nur was Du hinbaust, ist da. Ist Deins. Und alles ist ganz klar. Da ist kein draussen mehr. Das gibt SICHERHEIT."
Mathias Greffraths Monolog, der ursprünglich als Theatertext entstanden ist, folgt keiner linear narrativen Erzählweise, sondern besteht aus ineinander verschiebbaren, beweglichen Textbausteinen, die die dauernde gedankliche Vernetzung und Neu-Ordnung des Inputs und Outputs eines multitasking-fähigen Gehirns formal widerspiegeln. Mit den so entstehenden Brüchen versucht sich die Hörspielfassung in schnellen zyklischen Sprüngen dem Faszinosum Gates zu nähern. Dabei arbeitet das Hörspiel akustisch mit extremen Mitteln, die vom Sounddesign der Komponistin Martina Eisenreich zugespitzt werden, frei nach dem Motto, dass ein Phänomen wie Microsoft und Gates, das sich zwischen Extremen wie Genie und Paranoia bewegt, nur in künstlerisch unerschrockener Haltung erkenntnisreich behandelt werden kann.
Mit:
Tobias Lelle
Laufzeit: 55 Minuten
Sendetermine: WDR 3 - Montag, 12. März 2007, 23:05 Uhr
[Quelle:
www.hoerdat.de]