da ich seit fast drei jahren aktiv an der quoten-diskussion beteiligt bin, kenne ich die gesamte entwicklung.
wenn man ehrlich ist, will kein mensch eine quote, sondern allen beteiligten und vor allem den musikern würde es reichen, wenn sie in den radio-programmen angemessen berücksichtigt werden würden. es stimmt allerdings, dass durch die diversen aktivitäten seitens der musikwirtschaft und seit einiger zeit auch durch die musiker mehr deutschsprachiges im radio gespielt wird.
aber typisch deutsch wird gleich wieder übertrieben. statt mehr unterschiedliche nummern zu spielen, werden jetzt sachen wie silbermond, juli oder annett louisan zu tode gedudelt. der ansatz, den die an der qoutenforderung beteiligten verfolgen, ist, eine größere stilistische breite. mehr vielfalt aus allen bereichen. und d.h. von den hosen und den ärzten über blumfeld, tocotronic oder unbekannteren wie michel van dyke oder tomte bis hin zu den altvorderen wie heinz rudolf kunze, münchner freiheit bis hin zu - ja ich sags - pur und peter maffay...
auch wenn sich einige künstler von der quote aus imagegründen distanzieren. für sie und ihre klientel ist es eben nicht poltical correct...
in amerika treten country-star garth brooks und kiss zusammen in einer tv-show auf. und hier in der provinz deutschland herrscht ein geschmäcklerischer kleinkrieg, bei dem jeder jeden niedermacht. aber wir sind ja ein land von kleinstaaten..... und bei vielen leuten eben auch in den köpfen. ich muss wirklich nicht alles mögen, aber den respekt vor der leistung anderer sollte man schon zollen. wenn pur auf schalke fast 100.000 leute zieht und die gut unterhält, ist das eine stramme leistung.. ob ich die musik nun mag oder nicht.
die quote hat nun verschiedene hintergründe:
1. sollten die öffentlich-rechtlichen sender an ihren auftrag erinnert werden. und der heißt aus der region, dem land und der welt zu berichten. und in der region gibt es nicht nur 60+-jährige hörer, die schlager hören wollen (wenn man bedenkt, dass die vorkämpfer der rockmusik von den stones oder den beatles ebenfalls bereits im rentenalter sind, von chuck berry ganz zu schweigen...)
2. in vielen sendern gibt es redakteure, die sich offensichtlich noch an ihre jugend erinnern, wo sie in den programmen für mehr englischsprachige musik gegen den schlager kämpfen mussten. die haben nicht gemerkt, dass wir in einem neuen jahrtausend leben und dass nicht nur die usa und england gute musik hervorbringen.
3. in dem zusammenhang ist zu sagen, dass die quotendiskussion sich etwas verselbständigt hatte. sie war ursprünglich nicht auf deutschsprachige musik reduziert, sondern auf neuheiten. der anlass dafür war seitens der großen plattenfirmen, dass sie vor dem hintergrund eines kleiner werdenden cd-marktes (z.b. illegale downloads) immer größere marketinganstrengungen unternehmen mußten, um künstler durchzusetzen (videos für viva und mtv, teure fernsehwerbung, etc.). und die radiosender haben dann anschließend mit dem slogan geworben: wir spielen nur hits..... zu denen sie nichts, aber auch gar nichts beigetragen hatten.
allerdings läßt sich eine relativ komplizierte neuheitenforderung (50/50 - 50% neuheiten und davon wiederum 50% deutschsprachige titel. also mit anderen worten insgesamt 25% deutschsprachige neuheiten. und neuheiten sind künstler mit weniger als 2 alben im markt, von denen wiederum keine einen goldstatus haben durfte... kompliziert, kompliziert... ) nicht so einfach verkaufen. deshalb hieß es auf einmal "deutsch-quote" und dafür gab es einen weiteren grund:
4. innerhalb der europäischen union läßt sich eine auf ein bestimmtes land produktionsbezogene quote nicht durchsetzen ("free flow of goods";). allerdings eine kulturorientierte für eine sprache wie in frankreich. dort hatte z.b. eine finnische band einen größeren hit mit einem französischsprachigen titel... weil er eben unter die sprachenquote fiel.
5. und deshalb ist es auch den musikern und der musikwirtschaft eigentlich egal, ob die musik englisch, deutsch, türkisch, italienisch oder wie gerade geschehen ist, rumänisch gesungen wird. wir möchten nur nicht, dass jetzt mit der entschuldigung, dass man die quote bedienen müsse, gruppen wie siilbermond oder juli als dauerschleife bis an die grenze der belastbarkeit gesendet werden, sondern, dass zusätzlich andere künstler aus der region und dem land gespielt werden.
6. natürlich hat das wirtschaftliche hintergründe. denn wenn mit musik von hier mehr geld verdient wird, kann hier mehr produziert werden. aber diese produktionen brauchen eine plattform. und das am nächsten liegende aller medien für musik ist das radio.
in frankreich sind z.b. nach einführung der quote die umsätze massiv angestiegen und der export französischer musik hat sich mehr als verdreifacht....
das zur erklärung. das ganze könnte ich jetzt noch statistisch untermauern, das würde aber zu weit führen. nur zwei zahlen zur verdeutlichung:
im jahr 2002 war unter den 100 meistgespielten titeln im deutschen radio kein einziger deutschsprachiger.... der erste kam auf platz 164... von bap "auffunzo".... und ob das nun deutschsprachig ist... ;-)
beim ndr wurde im gleichen jahr auf der dortigen servicewelle ndr2 ingesamt weniger als 1% deutschsprachige musik gespielt (auf neuheiten bezogen waren es weniger als 0,1%!!!!).
und wenn man die struktur des ndr sieht, gibt es dort drei wellen, die musik spielen: n-joy für die 14-30jährigen: ca. 6% deutschsprachig; ndr2 für die 30-50jährigen: siehe oben; und die sog. einser-wellen, die regional berichten für die 50-80jährigen: >90% deutschsprachiger schlager (vorwiegend aus den 50-70ger jahren..). d.h. eine ganze generation, also die 30-50jährigen haben keine deutschsprachige musik angeboten bekommen....
ob das angebliche argument seitens der privaten sender deutschsprachiges würde zu sehr von der werbung ablenken korrekt ist, sei einmal dahin gestellt. denn angeblich kommt deutschsprachige werbung in einem englischsprachigen "musikbett" besser zu geltung... egal...
also wirklich wünschenswert wäre es, wenn sich die sender nicht nur durch ihre gewinnspiele unterscheiden würden, sondern auch durch ihr musikalisches profil... träumen darf man ja....
so dies ein bißchen als zusatz information.... vielleicht erklärt es ein bißchen das thema "quote im rundfunk".
rudy holzhauer
musikverlag progressive gmbh