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Dienstag, 5. November 2019, 23:23

Dreamland Grusel Folge 40: Mutter (SPOILER)

Nach dem Fiasko mit Folge 5 von Europas neuer Gruselserie (siehe dort) dachte ich, ich teste nach langer Zeit mal wieder eine Folge aus der Reihe Dreamland Grusel, deren Macher ja schon vor einigen Jahren auf die Idee gekommen sind, die Original-Gruselserie „fortzusetzen“.

Folge 40 trägt den simplen Titel „Mutter“. Worum geht’s? (ACHTUNG SPOILER)

Die Schriftstellerin Susan hat sich mit ihrem Mann verkracht und lernt den etwas schüchternen Edgar (Andreas Fröhlich) kennen und schnell auch lieben.

Edgar hört jedoch in seinem Kopf manchmal die aggressiv-dominant klingende Stimme seiner Mutter (Alexandra Lange). Das erfährt aber nur der Hörer. Die nichts ahnende Susan hingegen lässt sich von Edgar überreden, mit ihm gemeinsam seine Mutter zu besuchen...

Edgar und Mutter leben in einem einsamen Haus im Moor. Kaum angekommen, steht der Sohn sofort wieder unter deren Fuchtel. Und es dauert auch nicht lange, bis Susan von der Mutter die Wahrheit aufgetischt bekommt. In der Familie gibt es seit Generationen die Krankheit der Schizophrenie. Und die Mutter hat eine Vorgängerin von Susan kurzerhand um die Ecke gebracht, als diese sich in die Beziehung zwischen Mutter und Sohn drängen wollte.

Dann kommt auch schon der Showdown. Susan hört hinter verschlossener Tür, wie Edgar aus Wut seine Mutter tötet – und als die Tür sich wieder öffnet, erscheint zwar Edgar – aber er ist vom Geist seiner Mutter besessen. Edgar (= Mutter) versucht, Susan umzubringen, aber die wehrt sich erfolgreich.

Am Ende liegt Edgar verletzt am Boden, und Susan wird von ihrer besorgten Freundin aufgelesen. Susan weiß, dass von Edgars Persönlichkeit nichts mehr übrig ist …

Na ja – natürlich muss man bei diesem Plot sofort an Hitchcocks Klassiker „Psycho“ (1960) denken. Und vielleicht wäre mit dieser Quasi-Vorlage auch ein schön gruseliges Hörspiel herausgekommen, wenn man sich mehr darauf konzentriert hätte, eine bedrohliche Situation im Haus der Mutter zu inszenieren. Leider kommt das aber viel zu kurz. Stattdessen konzentriert sich das Hörspiel viel zu lange auf das Kennenlernen zwischen Susan und Edgar. Das „schaurige“ Dazwischengeflüster der Mutter verliert dabei sehr schnell seine Wirkung.

Im Haus (wo die Handlung erst nach weit über der Hälfte der Zeit ankommt) geht dann alles viel zu rasch, um noch eine gruselige Atmo zu entwickeln. Die Mutter ist so vordergründig böse und irrsinnig, dass man den weiteren Verlauf schon fast voraus ahnt. Auch das Thema der Persönlichkeitsspaltung hätte man viel besser ausspielen können. Okay, dass Edgar schließlich geistig zu seiner eigenen Mutter wird (genau wie Norman Bates am Ende von Psycho), ist dann noch ein ganz raffinierter Wendepunkt des Plots.

Fazit: Eine gute Grundidee, aus der man aber viel mehr hätte machen können (müssen). T
rotzdem aber eine wesentlich würdigere Fortsetzung der klassischen Gruselserie von H.G. Francis als der Murks, den Europa da rausgehauen hat.

Ach ja – und noch etwas Merkwürdiges hat dieses Hörspiel an sich, denn auf der CD ist es gleich zweimal vorhanden. In der zweiten Version hat aber lediglich die Mutter eine andere Sprecherin, sonst gibt es keinen Unterschied (jedenfalls nicht, soweit ich es bemerkt habe). Da lautet wieder mal die Frage: Was soll denn so was? :rolleyes:
Ein Lehrer zum anderen:
"Unsere Schüler sehen viel zu viel fern."
"Wieso?"
"Heute ist einer mitten in der Klassenarbeit aufgestanden und hat gesagt: `Ich nehm' den Telefonjoker!´"

2

Mittwoch, 6. November 2019, 06:40

Vorweg möchte ich schreiben, dass mir das Hörspiel gut gefallen hat. Ein schönes Remake von Psycho, bei dem ich auch ein wenig an „Das indische Tuch“ denken musste. Die Geschichte bietet hier viele Anlehnungen, die mir gefielen. Manche Handlungen verstand ich aber nicht. So überreagiert aus meiner Sicht sowohl Harry als auch Susan. Während Harry einfach seine Rihe haben wollte, glaubte Susane gleich, dass er sich scheiden lassen will, obwohl dieses Wort niemals fiel. Und dann wirft sie sich gleich jemanden anderen an den Hals und verliebt sich? Geht das heute bzw. damals wirklich so schnell? Ansonsten gefiel mir die Stimmung und die Atmosphäre sehr gut. Die Sprecher allen voran Andreas Fröhlich war meisterhaft. Aber auch Frau Lange schaffte den Spagat liebenswürdige Frau, die aber auch sehr unheimlich bis wahnsinnig wirken kann großartig. Und auch die Musik war Top. Schön unheimlich und schönes 80iger Flair! Das Ende war dann verständlich und nachvollziehbar. Ein wenig fehlte mir die große Überraschung. Aber es muss ja nicht immer einen Twist geben.

Die alternative Version, die ich heute gehört habe ist fast 1:1. Am Anfang wurde der Sprecher von Harry ausgetauscht. Am Ende war aber dann wieder der Sprecher der erstenVersion, Dirk Hardegen im Einsatz. Das verwirrt. Die neue Mutter gefiel mir nicht so gut. Sie war mir zu wenig „wahnsinnig“ und unheimlich. Ob es diese alternative Version gebraucht hat? Denke eher nicht, aber sie schadet ja auch nicht.

Wieder eine gute Folge und schön dass „Norman Bates“ endlich auch mal in einem Hörspiel Grusel vertreiben darf.

3

Mittwoch, 6. November 2019, 15:47

Ach - die Stimme des Ehemanns war auch eine andere? War mir gar nicht aufgefallen.

Aber das ist auch ein weiterer Kritikpunkt: Susans Mann spielt für den weiteren Verlauf der Handlung überhaupt keine Rolle, also hätte man ihn getrost komplett weglassen können. Das Hörspiel verplempert auch mit dem anfänglichen Krach zwischen beiden unnötig Zeit. Warum ist Susan nicht einfach Single? Das wäre die viel einfachere Lösung für eine Motivation Susans gewesen, mit einem Mann anzubändeln.
Ein Lehrer zum anderen:
"Unsere Schüler sehen viel zu viel fern."
"Wieso?"
"Heute ist einer mitten in der Klassenarbeit aufgestanden und hat gesagt: `Ich nehm' den Telefonjoker!´"

4

Mittwoch, 6. November 2019, 22:06

Jetzt wo Du es schreibst, stimmt, wäre irgendwie nachvollziehbarer für mich gewesen.