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Das Ende des Travel-Value?
Sie sind aus Ihrem verdienten Urlaub wieder zurück? Waren Sie in Schottland oder Irland? Statistisch gesehen waren die meisten von Ihnen in Spanien. Auch dort gibt es reichlich Whisky. Die Spanier konsumieren so viel des Single Malts Cardhu, dass nun gar nichts für uns in Deutschland übrig bleibt. Wir müssen Cardhu extra importieren, weil der Brennerei-Eigentümer ihn in Deutschland aus dem Programm genommen hat.
Das Ritual am Flughafen ist immer dasselbe. Zuerst steht man an, um das Gepäck einzuchecken. Dann steht man noch einmal an, um den immer heftiger werdenden Sicherheitscheck über sich ergehen zu lassen und schließlich sitzt man noch für einige Zeit am Gate, bis der Flieger endlich aufgerufen wird.
Bei diesem Warten auf den Urlaubsflieger geht wohl jedermann von uns in den Duty-free Shop, der so Duty-free heute nach der Bildung der europäischen Union gar nicht mehr ist. Er nennt sich auch nicht mehr Duty-free sondern Travel-Value. Man hat heute den gleichen Preis für alle Käufer - man macht eine Mischkalkulation. Für die Flaschen in der EU führt man die Alkoholsteuer ab, bei den Anderen nicht.
Beim Stöbern durch die Regalreihen des Travel-Values bleibt man in der Regel vor dem Malt Whisky Regal stehen, das mit 20 bis 40 verschiedenen Malts bestückt ist. Das ist mehr als im heimischen Supermarkt doch deutlich weniger als im Fachhandel wie bei The Whisky Store.
Warum so wenig verschiedene Whiskys? Es wird einfach nicht mehr verlangt. Wodka, Rum, Liköre und alle möglichen anderen Spirituosen schränken das verfügbare Sortiment bei gegebener Regallänge deutlich ein. Der Single Malt Spezialist kennt meist die Flaschen und auch die Preise unterscheiden sich - von Ausnahmen einmal abgesehen - wenig vom deutschen Fachhandel. Der Wegfall der Steuerfreiheit und die steigenden Mieten an den Flughäfen zwingen die Händler zu marktüblichen Preisen. Natürlich gibt es ein paar wenige ganz tolle Travel-Value Shops auf Europas Flughäfen. Doch das Gros kann man als Malt Whisky Spezialist eigentlich vergessen.
Doch lassen wir uns vom Angebot und Preis nicht in diesem Newsletter gefangen nehmen. Betrachten wir lieber die Verbindungen zwischen den gescheiterten Angriffen auf die Flugzeuge in London Heathrow Mitte August und unserem Whisky. Flüssigsprengstoff! Was für eine Waffe! Wenn nicht jede Waffe gemein wäre ? diese verdiente den Zusatz ganz bestimmt. Ein Sprengstoff, klar wie Wasser oder trüb wie Haar-Shampoo, der eine geringe Zündenergie braucht, um seinen Schrecken zu verbreiten. Wir alle kennen Flüssigsprengstoff noch aus den alten Western. Nitroglycerin ist der Bekannteste unter ihnen. Doch es gibt mittlerweile noch viel ausgefeiltere, die nicht bei der kleinsten Erschütterung losgehen.
Was unterscheidet Whisky von Flüssigsprengstoff? Vielleicht ist ja Alkohol ein Bestandteil von einem speziellen Sprengstoff? Da das heute alles noch nicht so klar ist, haben die Fluglinien das Mitnehmen von Flüssigkeiten in die Kabine strikt untersagt. Das muss man verstehen. Gefunden wurde in Großbritannien wohl auch eine Flasche für Softdrinks, die einen doppelten Boden hatte. Oben Cola und unten Flüssigsprengstoff. Damit konnte aus der Flasche demonstrativ getrunken werden, ohne den Sprengstoff aufzudecken.
Wenn man nach Abgabe des Gepäcks auf dem Flughafen noch Flüssigkeiten kauft, müssen sie zurück bleiben. Keine Airline gestattet nach dieser Gefahr mehr Flüssigkeiten an Bord. Das wird auch so bleiben - jetzt wo das mit dem Flüssigsprengstoff einmal bekannt geworden ist. Und hier liegt das Problem. Wie sollen Sie Ihren Whisky jetzt noch mitnehmen?
Australien und Neuseeland haben seit Jahren eine andere Lösung. Bei ihnen kauft man seine Duty-free-Ware nach der Rückkehr von der Flugreise. Das macht auch ökologisch viel mehr Sinn. Warum soll man mit jedem Flugzeug ein paar Hundert Kilo Spirituosen hin und wieder zurück fliegen? Das kostet unnötig viel Sprit und treibt die Kosten in die Höhe. Den Einkauf auf das Ende eines Fluges zu legen macht da mehr Sinn. Doch am Ende eines Trips hat es der Reisende meist sehr eilig und nimmt das Angebot nicht an. Anders am Zielflughafen in der Türkei, wo die ganzen Touristen auf die Vollständigkeit der Fahrgäste eines Busses warten müssen. Auch hier gibt es Outlets für die Kunden.
Welcher Staat ist am meisten von terroristischen Angriffen seit Jahrzehnten bedroht? Richtig, Israel! Sie haben nicht nur Täuschkörper-Auswurfvorrichtungen zur Raketenabwehr in ihren Verkehrsflugzeugen eingebaut. Sie haben auch die Prozesse im Einsatz, die das Einschmuggeln von gefährlichen Stoffen in Flugzeuge sicher verhindern, ohne die eigene Bevölkerung mehr als notwendig zu gängeln. Video-Überwachung, Profiler, ... Die Liste ist lang und seit über 30 Jahren hat es kein Terrorist mehr in eine El-Al-Maschine geschafft.
Wie macht es Israel mit dem Whisky? Israel verkauft Ihnen beim Abflug im Heimatland (wenn die Urlaubskasse noch voll ist) Ihren Whisky, um ihn dann für Sie am Boden einzulagern. Ihre Bordkarte enthält dazu schon die Nummer des Rückflugs. Und während Sie nach Ihrer Rückkehr auf Ihre Koffer warten, können Sie mit ihrer Quittung die Flasche in Empfang nehmen.
Sehr schön durchdacht. Nahezu perfekt in Sachen Sicherheit und Bequemlichkeit. Leider kostet diese Verwaltung den zusätzlichen Euro, den man sich als Reisender beim Duty-free-Einkauf sparen wollte.
Dies ist wirklich eine vertrackte Situation. Den Flughafengesellschaften wird jedoch sicherlich etwas einfallen, um ihre Einnahmen in diesem Umfeld weiterhin zu decken. Zwei Lösungen drängen sich auf: Zum einem werden die Fluggesellschaften versuchen sich den Schuh anzuziehen und über ihren Bordshop die eine oder andere Flasche zu verkaufen. Doch die Masse trinkt nicht teuren Whisky sondern billigen Wodka.
Auch die heimischen Flughäfen werden sich nicht so einfach die Butter vom Brot stehlen lassen. Vermutlich wird man sich nach einiger Beobachtungszeit in Umbaumaßnahmen stürzen, um die Kunden bei der Rückkehr nach Deutschland abzufangen, falls die Fluggesellschaften ihnen noch nicht ausreichend Waren an Bord verkauft haben und der Geldbeutel noch nicht leer ist. Das sind zwei wichtige Gegenargumente.
Der Gau für den Whisky-Reisenden wäre die Konzentration der Duty-free-Läden auf Nicht-Flüssigkeiten wie Schokolade, Tee und Tabakwaren. Auch wenn wir uns bei The Whisky Store als Ergänzung zum Duty-free-Handel sehen (oder anders herum), so könnten auch wir von der einen oder anderen weggefallenen Flasche im Duty-free-Handel profitieren. So sehen wir es mit einem lachenden Auge, wenn der Whiskyhandel an den Flughäfen versiegen würde. Schließlich hat man auch uns den eigenen Versand ins Ausland - wenn auch aus anderen Gründen - gründlich vermiest.
Entwarnung! Die meisten Leser dieses Newsletters kaufen ihren Whisky unterwegs nicht im Travel-Value, sondern in kleinen Läden des Urlaubslandes. Hier geht es nicht um das schnelle, vermeintliche Schnäppchen, sondern um die besondere Flasche, die es zu Hause nicht gibt. Diese 'Fundstücke' wandern für den Rückflug dann in die Koffer und alles bleibt für sie so, wie es in den letzten Jahren war. Dem voraus denkenden intelligenten Menschen (Homo Sapiens) können Terroristen das Leben nicht wirklich vermiesen.
P.S.: Eine Meldung erreichte mich nach Fertigstellung dieses Newsletters. Im kanadischen Toronto erfolgte der Super-Gau. Die Duty-free-Händler am Toronto Pearson International Airport haben geschlossen und ihre 160 Mitarbeiter entlassen. Wie es dort weiter geht ist derzeit noch unklar.