Heute im Sortiment:
Eine Philosophin, einige Todesurteile, ein Alzheimer-Patient und ein zur Maschinenpistole greifender König Artus
Berlin, ein Lautgedicht - eine lautpoetische Soundscape
Autor(en): Andreas Hagelüken (BRD 1963) / Valeri Scherstjanoi (Kasachstan 1950)
Produktion: WDR 2005
Originalhörspiel int. / Audio Art
Regie: Andreas Hagelüken / Valeri Scherstjanoi
Inhaltsangabe: 1979 siedelte der aus der Sowjetunion stammende Lautpoet Valeri Scherstjanoi ins Erzgebirge der damaligen DDR über, wo er später auf den Künstler und "Sprechoperateur" Carlfriedrich Claus traf. Claus hat Scherstjanoi in die Szene der experimentellen Literatur in der DDR eingeführt und ihm Kontakte zu den im Westen lebenden Lautdichtern vermittelt. Im Laufe der Jahre experimentierte er zunächst mit den Lauten seiner Muttersprache und entwarf eigene Handschriften, die neben Semantik und Phonetik ebenso die Emotionalität notierten. Daraus entstand sein System der so genannten "skribentischen Zeichen": Schreiben als Beitrag zur bildenden Kunst, Lesen als Lautpoesie. Scherstjanoi lebt seit 25 Jahren in Berlin, das ihm und seiner lautdichterischen Arbeit zur zweiten Heimat wurde, zur Inspirationsquelle und Herausforderung. Zusammen mit dem Rundfunkautoren Andreas Hagelüken hat Scherstjanoi für diese Produktion all jene Orte und Plätze Berlins aufgesucht, die sich konkret in sein umfassendes Werk eingeschrieben haben. Aus Improvisationen und Archivmaterialien schaffen die beiden Akteure eine Klang- und Laut-Reise durch Berlin und das Werk des Lautpoeten zugleich. So porträtiert "Berlin, ein Lautgedicht" sowohl die Geschichte des Sprachkünstlers Valeri Scherstjanoi als auch die Stadt selbst in Form einer Soundscape aus Stimmmaterialien.
Laufzeit: 55 Minuten
Sendetermine: DLR - Mittwoch, 7. März 2007, 00:05 Uhr
Der König
Autor(en): Donald Barthelme (USA 1931 - 1989)
Produktion: NDR 2004
Bearbeitung Literatur
Regie: Norbert Schaeffer
Bearbeitung: Maximilian Schäfer
Komposition: Michael Schiefel
Übersetzung: Maximilian Schäfer
Inhaltsangabe: Der postum erschienene Roman des amerikanischen Erzählers bietet eine schrille, in den Kontext des Zweiten Weltkrieges eingebettete, surreal-comichaft erzählte Variante der Artussage. König Artus und eine kleine Auswahl seiner ehrwürdigen Ritter streiten für England auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges. Die verdienten Recken aus prähistorischer Zeit zeigen sich ebenso verstört wie irritiert. Die Regeln, nach denen sie einst kämpften, haben keine Gültigkeit mehr. Dazu werden sie mit Themen konfrontiert, die in ihrer Werteskala bislang wenig Relevanz hatten: Ideologien, Sex, Rassismus, Streiks, Feminismus, Kommunismus, Anarchismus und so weiter. Mit Witz, Ironie und einem besonders scharfen Blick für die Paradigmenwechsel der modernen Zeit stellt der postmoderne Erzähler Fragen nach Ethik und Moral, die über den Kontext des uralten Sagenstoffes weit hinausreichen.
Mit:
Artus: Vadim Glowna
Guinevere: Irina Wanka
Mordred: Florian von Manteuffel
Lancelot: Peter Jordan
Merlin: Manfred Steffen
Mathias Lange, Thor W. Müller, Bjarne Mädel, Benjamin Utzerath, Andreas Pietschmann, Steffen Krause, Harald Maack, Celiné Fontanges, Uli Pleßmann, Wilfried Dziallas, Hermann Lause, Volker Hanisch, Alicia Schnelle, Katharina Matz, Angelika Berg, Kerstin Hilib, u.a.
Laufzeit: 77 Minuten
Sendetermine: NDR Kultur - Mittwoch, 7. März 2007, 20:00 Uhr
Vom Himmel fallen oder von den Bäumen
Autor(en): Jens Nielsen (Schweiz 1966)
Produktion: DRS 2005
Regie: Charles Benoit
Komposition: Franziska Baumann
Inhaltsangabe: Ein Mann und eine Frau heissen Mig und Rilke.
Sie treten an zu einer Variante ihres Schicksals. Sie lieben sich in dieser Variante.
Bevor wir uns kannten, wird Mig zu Rilke sagen, da war mein Leben aus Holz.
Ein Stoffwechselvorgang.
Mein Leben war so sinnlos, dass ich wie ein Kampfflugzeug heisse.
Und Rilke wird sagen: Ja gut, das gefällt mir.
Und sie machen grosse Pläne. Zuerst gehen wir zum Fluss, sagt Rilke. Dann nehmen wir eine Wohnung zusammen. Dann heiraten wir. Dann kommt das mit dem Beruf.
Und dann kannst du kommen, Tara.
Aber Tara ist schon lange da. Sie möchte seit Jahren den Humor lernen.
Ein Mann und eine Frau - ob das schon die Pointe ist? Soll sie einmal gesagt haben.
Taras Lieblingssatz allerdings wäre: Alles kommt wie niemand will.
Aber der Satz wäre möglicherweise gestrichen worden.
Und eine Weile geht alles gut. Bis plötzlich Jeff kommt.
Hallo, hallo, sagt er, ich bin Jeff der plötzlich kommt.
Und so bleibt Tara nach 33 Minuten und 46 Sekunden die Nachspeise im Hals stecken.
Und das Lachen auch.
Mit:
Rilke: Natalia Conde
Mig: Klaus Brömmelmeier
Tara: Rebecca Klingenberg
Jeff: Till Kretzschmar
Laufzeit: 41 Minuten
Sendetermine: DRS 2 - Mittwoch, 7. März 2007, 20:00 Uhr
Small World
Autor(en): Martin Suter (Schweiz 1948)
Produktion: BR 1999
Bearbeitung Literatur
Regie: Irene Schuck
Bearbeitung: Irene Schuck
Inhaltsangabe: 1: Konrad Lang ist schon Mitte 60, als er einen neuen Anfang wagen will. Sein ganzes bisheriges Leben war untrennbar mit der millionenschweren Koch-Familie verbunden, bei der er aufwuchs und zu der er als uneheliches Kind eines ehemaligen Dienstmädchens doch nie richtig gehörte. Jetzt hat Konrad Lang eine Frau kennengelernt und sich noch einmal verliebt. Doch dann passieren seltsame Dinge. Erst sind es Kleinigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen: er legt aus Versehen seine Brieftasche in den Kühlschrank, er findet nicht mehr nach Hause. Als sich sein Zustand verschlimmert, stellt sich heraus: Konrad Lang leidet an der Alzheimer-Krankheit. Mehr und mehr geht die Gegenwart für ihn verloren, immer tiefer verliert er sich in der eigenen Vergangenheit, die überschattet ist von einem dramatischen Geheimnis. Elvira Senn, die resolute Prinzipalin der Koch-Familie, hat ein Interesse daran, daß dieses Geheimnis nie ans Licht kommt. Sie beginnt, ihre Vorkehrungen zu treffen ...
Mit:
Erzähler: Christian Berkel
Konrad Lang: Friedhelm Ptok
Elvira Senn: Rosemarie Fendel
Thomas Koch: Peter Striebeck
Urs Koch: Axel Milberg
Simone Koch: Frauke Poolman
Rosemarie Haug: Karin Anselm
Barbara: Ilse Neubauer
Schöller: Wolfgang Hinze
Dr. Stäubli: Helmut Stange
Sophie Berger: Alexandra Maetz
Schwester Ranja: Kathrin Gwatney
Frau: Barbara Boschan
Dr. Wirth: Peter Rühring
Gesamtlaufzeit: 85 Minuten
Sendetermine: BR 2 - Mittwoch, 7. März 2007, 20:30 Uhr - Teil 1 von 2
Meinnicht
Autor(en): Gesine Danckwart (BRD 1969)
Produktion: HR/TAT 2001
Regie: Gesine Danckwart
Inhaltsangabe: »Das Beunruhigende an dieser "Welt" ist nicht das Chaos, das Unbekannte, sondern die scheinbare Überschaubarkeit, und dagegen das eigene Nichtübereinstimmen mit einer endbeherrschten Wirklichkeit.
Potenziell ist das Sollziel gesicherter Kontostand für jeden zu erreichen. Bitte seien Sie nicht
so verzeifelt.
"Meinnicht" zeigt einen Aussschnitt aus der Wunderwelt. Er ist keine Milieustudie. Die Personen befinden sich in unterschiedlichen Aggregatzuständen: Eine Ausziehpuppe, ein Peter, der nachts aus einem Albtraum erwacht und Angst vor dem morgigen Tag hat, eine scheinbare Blinde, die mit einem imaginären Anderen spricht. Sie alle eint - zu verschiedenen Zeitpunkten - ein tastendes, sich vergewisserndes Sprechen. Ein Staunen über das Lesen der eigenen Spuren. Ihre Schnittstellen: eine Buslinie, das Einschalten des selben Fernsehprogramms, ein beobachtetes Ereignis in der Wohnung eines anderen. Mein Stück bewegt sich zwischen einer Dramaturgie des Zappens und der schicksalshaften Zwangsläufigkeit dieser unfreiwilligen Gemeinschaft. Es gibt Begegnungen, keine Konflikte. Einsamkeit, Verzweiflung. Witz.« (Gesine Danckwart)
Mit:
Astrid Meyerfeld, Jürgen Kuttner, u.a.
Laufzeit: 62 Minuten
Sendetermine: HR 2 - Mittwoch, 7. März 2007, 21:30 Uhr
Den Kopf hinhalten...
Autor(en): Klaus Buhlert (BRD 1950)
Produktion: DLR 2000
Originalhörspiel dt. / Biographie
Regie: Klaus Buhlert
Inhaltsangabe: Flugzeuge über Berlin, ohrenbetäubend. Gladow geht zurück ins Kinofoyer, die Kasseneinnahme verschwindet in seiner Manteltasche, der Lärm der Rosinenbomber übertönt die Schreie der Kassiererin. Der Wochenschau-Kommentator dankt den amerikanischen Piloten ...
1949 wird der junge Werner Gladow mit seiner Bande festgenommen. Diebstähle, Raubüberfälle, auch Morde gehen auf ihr Konto. Die Urteile vom April 1950: dreimal Todesstrafe durch das Fallbeil, lebenslängliche und mehrjährige Freiheitsstrafen. Die Todesurteile werden im Dezember 1950 in Frankfurt/Oder vollstreckt.
Mit:
Matthias Walter, Doris Plenert, Thomas Thieme, Christine Schorn, Astrid Meyerfeldt, Stefan Wilkening, Hajo Schumacher, Katrin Klein, Horst Hiemer, Gunter Schoß, Katarina Tomaschewsky, Katja Danowski, Michael Klobe, Christian Gaul, Andreas Bisowski
Gesang: Max Raabe
Laufzeit: 46 Minuten
Sendetermine: DLR - Mittwoch, 7. März 2007, 21:33 Uhr
Schwerkraft und Licht. Hommage an Simone Weil
Autor(en): Ronald Steckel (BRD 1945)
Produktion: WDR/RBB 2007
Regie: Ronald Steckel
Inhaltsangabe: Die französische Philosophin Simone Weil (1909-1943), Tochter aus liberalem jüdischem Hause, entwickelte sich im Laufe ihres asketischen Lebens zu einer christlichen Mystikerin, ohne jemals Kirchenmitglied zu werden. Migränekrank seit ihrem 14. Lebensjahr, wurde sie von ununterbrochenen Kopfschmerzen gequält. Sie war diplomierte Philosophin, Lehrerin an Grund- und Arbeiterschulen, Gewerkschaftlerin, Fabrikarbeiterin, Tagebuchschreiberin, Dichterin und Verfasserin von Theaterstücken; eine Ausnahmeerscheinung, ein abenteuerliches Herz. Sie starb mit 33 Jahren im englischen Exil an Unterernährung und Erschöpfung. Bekannt wurde sie erst durch die posthume Veröffentlichung ihrer Schriften, in denen sie sich zu Gewerkschaftsfragen und Sozialreformen, zur Philosophie und Kulturphilosophie, zur Theologie und zur Mystik äußert. Heute gilt Simone Weil als eine der großen europäischen Philosophinnen des 20. Jahrhunderts.
Laufzeit: ~ 55 Minuten
Sendetermine: WDR 3 - Mittwoch, 7. März 2007, 22:00 Uhr (Ursendung)
[Quelle:
www.hoerdat.de]